1. April 2009, 12:18
Nach dem Auftritt von Ben Bernanke in der Sendung “60 Minuten” vom CBS Fernsehsender in Amerika sind die Nachrichten-Agenturen der Welt mit Schlagzeilen heraus-gekommen, von denen wir schon vergessen haben, sie jemals in einer Wirtschaftszeitung gesehen zu haben: “Bernanke hat seine Einschätzung bekräftigt, dass ein Ende der Rezession in den USA bereits in diesem Jahr möglich ist; in 2010 werden wir eine Erholung der Wirtschaft erleben”. Wenn es Obamas Regierung und der ‘Fed’ gelingen wird, die Banken gewissermaßen zu stabilisieren, so zitierten die Zeitungen Bernankes Worte, werden wir einen neuen Weg einschlagen. “Keine Bank wird mehr zusammenbrechen”, versicherte der amerikanische Notenbankchef. Wer’s glaubt, wird selig.
Von: Eli Vinocur
Das Interview, das Bernanke gab – das erste eines amtierenden Fed-Chef seit 22 Jahren kommt aus dem Hintergrund der ansteigenden Wut der amerikanischen Öffentlichkeit. Anscheinend neigt sich die Gnadenfrist Barak Obamas erbärmlich dem Ende zu, während die Wirtschaft weiter auf Talfahrt ist und der einfache Bürger sieht , wie seine Steuergelder im Bankensystem verschwinden, so als ob es sie nie gegeben hätte.
Nichts desto trotz, Bernanke und seine Freunde in der Administration planen bald ein zusätzliches Paket zu fordern zur Ankurbelung der Wirtschaft in Höhe von hunderten Millionen Dollars. Wenn wir die Banken mit genügend Geld versorgen würden, so meint man in Obamas Regierung, werden die Banken anfangen können Darlehen an Geschäfte und Privatpersonen zu geben. Ab dem Moment, wo Privatpersonen Kredite nehmen werden, wird der Konsum wachsen und die Wirtschaft wird anfangen mehr zu produzieren und es werden mehr Arbeitnehmer eingestellt werden können. Wenn das geschehen wird, werden auch die Großinvestoren – die aus der Angst heraus in zweifelhafte Banken zu investieren in der Zwischenzeit ihr Geld zurückhalten – anfangen Geld zu investieren. Und dann wird sich die Regierung zurückhalten können, das Geld wird wieder in die Flüsse der Wallstreet fließen, und die Ökonomie wird in ihre Gleise zurückkehren.
Aber wie haben wir gesagt?
Viel Erfolg Bernanke! Wer’s glaubt, wird selig.
Obwohl die unermesslich hohen Geldsummen, die in den USA-Finanzmarkt geschüttet wurden noch nicht ihre oben erwähnten Ziele erreicht haben, ist es schon klar, dass selbst wenn sich die Wogen der Krise besänftigen werden, es nur eine vorüber-gehende Beruhigung sein wird. Warum? Weil die Lösung, die die Amerikaner vorschlagen zu der alten Welt gehört, in der die Menschen gearbeitet und als Einzelne gehandelt haben. Das klassische ökonomische Modell, demnach der Mensch von eigennützlichen Interessen motiviert wird, wo die Aufgabe der Wirtschaft ist, dem Privatmenschen dieses Bedürfnis zu erfüllen, ist nicht mehr relevant in der integralen Welt in der wir leben. Seitdem die Menschen sich miteinander verbunden haben, ist die wirtschaftliche Zukunft eines Menschen oder eines Staates von anderer Menschen Entscheidungen abhängig geworden. Das Ego des ökonomisch denkenden Menschen oder “der Homo Economicus” (so wie wir alle im Ökonomie-Jargon der Berufsbezeichnungen genannt werden) hat sich weiterentwickelt und sich zum globalen Ego gewandelt. Von nun an, geehrte Ökonomen, sagt “der Human Economicus” und nicht “der Homo Economicus”. Das sind die Gesetze des neuen Lebens.
Es wird nicht helfen, den Banken aus der Krise herauszuhelfen oder Institutionen und Körperschaften der Wirtschaft zu regulieren. Solange das Ziel die Wiederherstellung des alten Systems sein wird, werden wir von dem Geld und den Anstrengungen keinen Nutzen haben. Solange wir die neue Realität ignorieren werden, die uns die Weltkrise enthüllt hat – solange wir nicht verstehen werden, dass der einzige Weg das Vertrauen an das System zurück zu gewinnen darin besteht, die zwischenmenschlichen Beziehungen neu zu ordnen - solange wird Stabilität und Stärke der Wirtschaft einem Treibholz in stürmischer See gleichen. Die Beziehungen des Einzelnen innerhalb der menschlichen Gesellschaft haben sich gewandelt. Dieses muß verinnerlicht als auch verstanden werden, dass die Ökonomie, die die gegenseitigen Beziehungen der Menschen untereinander ausdrückt, entsprechend verändert werden muß.
In der Tat ist unsere Empfindung in eine neue und unbekannte Welt eingetreten zu sein, in der andere Gesetze herrschen, schon an die Oberfläche gekommen und beginnt in die Köpfe der Anführer einzudringen. So zu Beispiel beginnt ein Artikel mit dem Titel “Die außerordentlichen Beziehungen unter uns haben sich globalisiert”, vor ca. einem Monat vom britischen Premier Gordon Brown: “die Historiker werden zurückschauen und sagen, dass diese Zeiten keine gewöhnlichen waren, sondern ein entscheidender Zeitpunkt: ein beispielloses Zeitalter globaler Veränderung, eine Zeit, in der ein Kapitel geschlossen und ein anderes Kapitel aufgeschlagen wurde”. “Globalisierung ist nicht eine Wahl, sondern eine Tatsache” so weiter Brown, “Die einzige Frage ist, wie wir uns damit auseinandersetzen werden – ob gut oder schlecht… Wir müssen zusammen arbeiten… Das ist die erste Wirtschaftskrise, die wirklich eine globale ist… Das 21ste Jahrhundert ist das erste wirklich globale”. Scharfe Worte Mr. Brown! Das einzige Problem ist, dass es sich derweil nur um Worte handelt.
Auch wenn hinter solchen Ankündigungen ein starker, wahrhaftiger Wille zur Veränderung steht, läßt sich schwerlich sagen, dass dies die Richtung ist, in der die Anführer handeln. Die Versuche das alte System durch Finanzspritzen an die Banken wiederherzustellen, entsprechen Spritzen von Steroiden, die einem Kranken in fortgeschrittenem Sterbeprozess verabreicht werden. Um eine echte Änderung herbeizuführen, damit das Vertrauen an das System zurückgewonnen und die Welt auf die Gleise zurück gebracht wird, müssen wir uns vom vorherigen System lösen, in dem die Menschen die ganze Zeit nur danach getrachtet haben, wie sie andere über den Tisch ziehen können. Man muß ein der neuen Weltordnung zuträgliches System aufbauen, ein solches, welches die zwischenmenschlichen Beziehungen zur Bürgschaft unterstützen wird, was heutzutage notwendig ist. Der benötigte wahre ‘New Deal’ muß wirklich ‘New’ sein, genau wie die Welt, und nicht gewissermaßen nur eine Verbesserung des alten ‘Deals’.
Was also ist zu tun?
- Neben der ökonomischen Hilfe für Industrien, Firmen und Staaten, die vor dem unmittelbaren Zusammenbruch stehen, müssen die Führenden anfangen, einen gewissen Geldbetrag auszuschütten für Aufklärung und Erziehung der Menschen. So schnell wie möglich werden alle Menschen verstehen müssen, dass in der neuen Welt alle in einem Boot sind. In dieser neuen Welt ist kein Platz für die alte egoistische Einstellung, die einem Lochbohren in ein Boot gleicht, in dem wir alle gemeinsam sitzen. Ob ich will oder nicht, es ist nicht mehr möglich sich auf Kosten der anderen zu vergnügen. Wir alle sind miteinander verbunden. “Jeder bürgt für den anderen”, erinnert Ihr euch?
- Nachdem die Menschen zu verstehen beginnen werden, dass wir darunter leiden, dass unsere gegenseitigen Verbindungen nicht an die Verbindungen wie sie in der neuen Welt sein müssen angepasst sind, nicht zu reden davon, dass sie das Gegenteil davon sind - werden sie nicht mehr damit einverstanden sein, mit dem gegenwärtigen egoistischen System weiterzuleben. Es wird nicht nötig sein, Beschränkungen und Regulierungen auf sie zu zwingen, sondern sie werden von selbst zu denken anfangen, wie ein System zu errichten ist, das auf anderen Werten gründet. Und dann, anstelle des globalen Egos wird sich in ihnen stufenweise ein globaler Verstand zu entwickeln beginnen, ein neues Verständnis, aus dem heraus sich eine neue und stabile Ära aufzubauen beginnen wird. Eine Ära auf die die Historiker zurückschauen und sagen werden: “Diese Menschen haben wirklich ein neues Kapitel geöffnet, sie haben einen Weg eingeschlagen, die Wirklichkeit in der wir leben, verbessert”.