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Remember, Remember…

Vielleicht mag sich der ein oder andere winden beim Gedanken daran schon Wochen vor und Tage nach diesem speziellen Kuriosum, den Fernseher einzuschalten und sich begehrlich der allabendlichen Nachrichtenschlacht zu widmen die sich die privaten wie die staatlichen auf der Jagd nach der Gefälligkeit ihrer Konsumenten liefern. Eine leise Vorahnung beginnt sich anzubahnen, selbst wenn man sich längst auf der Flucht vor Reizüberflutung und der willkürlichen Ambitionen der Massen dem hitgeschwängerten Hörfunk oder der leichteren Lektüre von allen Arten des Ratgebers zugewandt hat, entkommt man ihr nicht.

Ob jeglicher Form der wohlüberlegtesten Abschottungstechnik dringt sie doch durch alle Ritzen. Sie röchelt, sie staubt, sie kratzt, sie quietscht, sie hämmert, sie beißt, sie klammert, sie fleht, sie zittert und bittet. Schließlich doch erschöpft und unfähig ihr standzuhalten geben wir ihr doch ein letztes - und dieses sicher - Mal nach und lassen sie doch herein - die Stiefmutter der Gegenwart vieler - die Erinnerung.

Als ob einer unserer Ahnherren einem jener wie Dionysos die einst das für uns so gewichtige Utensil des Kalenders ausbrüteten in die Suppe gespuckt hätte, scheint dieser Termin für uns Deutsche im Speziellen und uns Europäer im Allgemeinen, reserviert zu sein. Max von Banden, Karl Liebknecht, (ja selbst) Napoléon, Gustav Ritter von Kahr, Detlev Albers, Rosa Luxemburg, Holger Meins und Günter Schabowski haben auf den ersten Blick wohl nicht viel gemein.

Selbst für die, die sich während des Geschichtsunterrichts nicht dem Schiffe versenken und anderen den sozialen Bindungen zu den Mitschülern zuträglichen Beschäftigungen ausgesetzt sahen, wird es auf den ersten Blick nicht ganz einfach sein den Zusammenhang zwischen diesen historischen Charakteren einzusehen. Wie auch immer - lassen sie uns das löchrige Netz einmal flicken und uns im Meer der Vergesslichkeit einmal nach Brauchbarem stöbern.

18. Brumaire VIII 1799: Bei unseren französischen Nachbarn ist Primetime… Emmanuel Joseph Sieyès kramte während der Suche nach einer starken Hand zur neuerlichen Errichtung einer Republik nach seinem Säbel, als der gerade zufällig aus Ägypten heimgekehrte General Napoléon damit beauftragt wird Paris abzusichern. Es kommt wie es musste zum Staatstreich und die Nationalversammlung findet sich erst evakuiert und später von Napoléon als Alleinherrscher ersetzt. Die Tumulte der vergangen Zeit finden in diesen Worten ein Ende: “Bürger, die Revolution hält an den Grundsätzen, die an ihrem Beginn standen, fest. Sie ist beendet.”

Nur ca. 100 Jahre darauf, nämlich 1918 widerfährt Wilhelm II ein ähnliches Schicksal wie zuvor seinem Berufsgenossen in Frankreich. Die Deutschen sind der Monarchie nun doch auch überdrüssig und Maximilian von Baden setzt Friedrich Ebert zur Führung der Amtsgeschäfte der neuen deutschen Republik ein, die wenig später von Scheidemann vom Reichstagsgebäude aus ausgerufen werden sollte.

Fast zeitgleich gründen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin “Die Rote Fahne”.

1923 folgen der Hitler-Ludendorf-Putsch, 1938 die Novemberpogrome, 1967 “Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren”, 1974 stirbt das RAF Mitglied Holger Meins an den Folgen eines Hungerstreiks und 1989 fällt die berühmte Mauer.

Nun - wer hätte es gedacht? Die Rede ist natürlich vom 09. November.

Unsere kleine Zeitreise über das Meer der Annalen zeigt natürlich, dass der 09. November nicht nur von Schabowskis Fauxpas geprägt ist, sondern eben von vielen Ereignissen die zusammengenommen uns doch einen sanften, aber entscheidenden Hinweis geben können. Lässt man seine Gedanken noch weiter schweifen und vergleicht man die doch verschwindend geringe Menge an Freiheit die wir uns watend in Blut und Schweiß erkämpft haben, mit dem Aufwand und den Opfern, dann könnte man feststellen, dass die Bilanz nicht aufgeht.

Gefühle der Beklemmung überkommen uns doch wenn wir sehen, dass das Leid noch kein Ende hat. Unsere Gefühlswelt scheint manchmal aus den Fugen zu geraten, da wir vielleicht doch insgeheim damit gerechnet hatten einen Tropfen Freiheit in den Händen zu halten. Doch nachdem die Schlachten geschlagen waren, die Revolutionen vorüber und die Feuer ausgetreten waren - was blieb übrig?

Demokratie, Menschenrechte, Grundgesetz, Europa, Globalisierung. Decken sich diese Dinge tatsächlich mit unseren Vorstellungen von Freiheit? Oder ist die Freiheit vielleicht doch etwas was nicht von außen, sondern von innen kommt? Etwas das man weder kaufen noch stehlen kann, etwas das darauf wartet erlöst zu werden? Vielleicht haben wir die ganzen Jahre über einfach an der falschen Stelle nach ihr gesucht? Und vielleicht ist diese Freiheit auch nicht das, was wir uns häufig einfach nehmen?

Viele philosophische Auffassungen, welche als Derivate häufig die Grundfesten unserer heutigen Demokratien darstellen, haben ihr theoretisches Fundament in den vergangenen Jahren von Krieg und Terror, Depressionen, Hungersnöten usw. opfern müssen und sind wie Kartenhäuser in sich zusammen gefallen.

Nun stehen wir ratlos vor den Scherben unserer Überzeugungen und den Versprechungen einer global hoch technisierten Welt und es dämmert uns, dass hier noch nicht Schluss ist. Nehmen wir die Herausforderung endlich gemeinsam an - jeder für sich und alle zusammen.

Autor: anonym (27.05.2009)