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Kapitalismus der anderen Art

Letztens wurde in der Financial Times ein Artikel von Richard Layard veröffentlicht - dem Gründer des Zentrums für Economic Performance an der angesehenen Wirtschaftsschule in London  (London School of Economics - LSE). Unter der Schlagzeile “Jetzt ist es an der Zeit für einen weniger egoistischen Kapitalismus”, stellt Layard, einer der Spitzenökonomen Englands, eine neue kapitalistische Ausrichtung vor, die er als “einen humaneren Kapitalismus” definiert.

Layards Meinung nach hat die moderne Gesellschaft “ihre Werte geopfert”. Wenn in den 60er Jahren 60% der Allgemeinheit in England und in den Vereinigten Staaten geglaubt haben, dass “den meisten Menschen vertraut werden kann”, ist der Prozentsatz heute auf 30 % gesunken. Aus Layards Worten ergibt sich, dass unsere Gesellschaft mit den Jahren immer egoistischer und individualistischer wird. Anstatt den gegenseitigen Respekt hervorzuheben, stürzt der Wille, auf Kosten der anderen zu profitieren, unsere Gesellschaft hinunter auf einen Scherbenhaufen. Die Früchte unseres egoistischen Verhaltens kommen im Bankensektor klar zum Ausdruck, erklärt Layard, aber ” man sieht sie auch im Familienleben (mehr Trennungen), auf dem Spielplatz (weniger Freunde, denen du vertrauen kannst) und am Arbeitsplatz (zunehmender Wettbewerb zwischen Kollegen)”.

Aber noch ist nicht alles verloren. Um das Erscheinungsbild unserer Gesellschaft zu bessern und das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen, schreibt Layard, “müssen wir damit in der Schule beginnen, wenn nicht sogar früher. Kinder sollten lernen, dass ein würdiges Leben ein Leben ist, was das wenigste Elend und die meiste Freude in die Welt bringt”. In der Tat, setzt Layard fort, “diese Regel sollte auch für das Geschäfts- und Berufsleben gelten. Menschen sollen einer für die Gesellschaft nützlichen Arbeit nachgehen, und sich nicht nur am Gewinn auf dem Papier orientieren. Alle Berufe - auch Journalismus, Werbung und Wirtschaft - sollten einen klaren Ethik-Kodex haben, dem sich alle Berufstätigen ihrer jeweiligen Branche unterwerfen sollen”.

“Wir wollen keinen Kommunismus”, fasst Layard zusammen. “Wie die Forschung zeigt, die Länder unter kommunistischem Regime waren die am wenigsten glücklichen der Welt und auch ineffizient”. Was brauchen wir stattdessen? “Eine humanere Art von Kapitalismus, die nicht nur auf einer besseren Regelung, sondern auch auf besseren Werten basiert. Wir brauchen keine Gesellschaft, die auf dem darwinistischen Prinzip des Wettbewerbs zwischen Individuen beruht. Über das für die Existenz notwendige hinaus, ist das beste Erlebnis, das die Gesellschaft den Menschen bieten kann, die Empfindung, dass andere Menschen an deiner Seite sind. Das ist die Art von Kapitalismus, die wir wollen”.

Autor: anonym (07.04.2009)